Diabetes mellitus, Polyneuropathie
Hyperkeratose an der Grosszehe bei Diabetes mellitus und Polyneuropathie
Ein Fallbeispiel aus unseren Praxen: Wenn die Schutzwahrnehmung fehlt, bleibt eine Druckstelle unbemerkt — und wächst weiter.
Ausgangslage
Als haptische Wahrnehmung bezeichnet man das aktive Erfühlen von Grösse, Kontur, Oberfläche und Gewicht — über die Hautsinne und die Tiefensensibilität. Sie erlaubt es dem Gehirn, mechanische Reize, Temperatur und Schmerz zu lokalisieren und zu bewerten.
Ist diese Wahrnehmung gestört, wie hier durch einen Diabetes mellitus mit Polyneuropathie, entstehen Fehlbelastungen: Druck- und Reibungspunkte werden nicht mehr gespürt. Wer intakt wahrnimmt, hinkt und entlastet die Stelle dadurch automatisch. Wer keinen Schmerz spürt, hinkt nicht — und belastet weiter. Genau das verschlimmert die Situation zunehmend.
An der Grosszehe war unter einer dicken Hyperkeratose (Hornhaut) eine Druckstelle mit Blasenbildung entstanden.
Behandlung
Grundsatz: Wir gehen keine unnötigen Risiken ein. Vor jedem Eingriff prüfen wir den Befund:
- Suche nach den fünf Kardinalsymptomen einer Entzündung
- Suche nach fehlenden oder nur teilweise vorhandenen klinischen Infektzeichen
Danach folgte die Behandlung in dieser Reihenfolge:
- Oberflächliches Abtragen der Hyperkeratose mit der Skalpelltechnik — möglichst ohne die Blase zu eröffnen
- Nachdem sich gezeigt hatte, dass nur eine oberflächliche Blase vorlag: vollständiges Abtragen der Hyperkeratose inklusive Wundrandsanierung
- Wundreinigung
- Druckentlastung mit 5 mm Filz
- Interprofessionelle Zusammenarbeit mit der Ärztin oder dem Arzt und der Orthopädie-Schuhtechnik
Verlauf und Ergebnis
Nach dem Abtragen liegt der Befund frei und lässt sich beurteilen: Die Läsion ist oberflächlich, der Wundrand saniert, die Umgebung von der verhornten Auflage befreit.
Entscheidend für den weiteren Verlauf ist die Entlastung. Die Filzentlastung nimmt den Druck von der Stelle; die Schuhversorgung wird mit der Orthopädie-Schuhtechnik besprochen, die medizinische Betreuung läuft mit der Ärztin oder dem Arzt weiter. Kontrollen in kurzen Abständen gehören dazu.
Fragen zu Ihrem Fuss?
Dieses Fallbeispiel gehört zur Übersicht Risikofüsse. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Fuss zu den Risikofüssen zählt: Unsere Podologinnen und Podologen schauen ihn sich an.